Samstag, 21. November 2015

Göbekli Tepe: Die Geburt der Götter

Göbekli Tepe: Die Geburt der Götter

Andrew Collins

Der rätselhafte Komplex der Steintempel auf dem Göbekli Tepe in der Türkei, der am Ende der letzten Eiszeit erbaut wurde, ist eine der größten Herausforderungen für die Archäologie des 21. Jahrhunderts. Er ist über 7.000 Jahre älter als die Cheops-Pyramide und Stonehenge. Seine seltsamen Gebäude und Ringe von T-förmigen Monolithen, die aus 10 bis 15 Tonnen schweren Steinen erbaut wurden, weisen eine Komplexität und künstlerische Leistung auf, die bis zum Aufstieg der großen Zivilisationen der alten Welt - Sumer, Ägypten und Babylonien - unerreicht blieben. Das vorliegende Meisterwerk von Andrew Collins bildet den Höhepunkt seiner fast 20-jährigen Forschung über die Ursprünge der Neolithischen Revolution.

Göbekli Tepe ist jedem bekannt, der sich für alte Mysterien interessiert. Die Anlage, die als ältester Steintempel der Welt gepriesen wird, besteht aus mehreren megalithischen Strukturen mit Kreisen aus schön behauenen T-förmigen Säulen. Der Fundort liegt auf einem Bergrücken im Südosten der Türkei, nur 13 Kilometer von der antiken Stadt Urfa in der Nähe des traditionellen Garten Eden entfernt. Hier, unter einem künstlich angelegten bauchigen Hügel, der eine Fläche von etwa 300 mal 200 Metern bedeckt, lagen 10 000 Jahre lang seine Geheimnisse verborgen. Als Göbekli Tepe errichtet wurde, waren Ackerbau und Viehzucht noch kaum bekannt, und durch die fruchtbare Landschaft Südwestasiens zogen, so heißt es, primitive Jäger und Sammler, deren ganze Existenz sich ums tagtägliche Überleben drehte.

Was ist also Göbekli Tepe? Wer hat ihn erschaffen, und warum? Vordringlicher noch ist die Frage: Warum verschütteten die Erbauer ihre Konstruktion schließlich?

Dies sind die Fragen, die ich in dem Buch Göbekli Tepe: Die Geburt der Götter stelle. Ich biete darin triftige Beweise dafür, dass die Mythen um die Wächter des Buchs Henoch und die Legenden um die mesopotamischen Anunnaki die Erinnerungen an die Göbekli-Erbauer und ihre Rolle bei der Entstehung der Zivilisation sind. Ich glaube auch, dass Göbekli Tepe von einer Jäger-Sammler-Bevölkerung konstruiert wurde, die noch die dräuende Katastrophe fürchtete, die fast die Welt zerstört hätte – einen Kometeneinschlag, von dem die Wissenschaft heute weiß, dass er vor rund 12 900 Jahren stattfand und der noch jahrhundertelang verheerende Nachbeben zur Folge hatte.

Menschliche Mischwesen

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass jene, die einen Plan ersannen, um der Angst vor einer weiteren Katastrophe (diese Angst nannte die Visionärin und Schriftstellerin Barbara Hand Clow so passend »Katastrophobie«) zu begegnen, aus der indigenen Bevölkerung kamen. Vielmehr scheint der Plan von Mitgliedern einer fremden Kultur gesponnen worden zu sein, die aus Schamanen, Kriegern, Jägern und Steinwerkzeugmachern bestand, die immense Macht und Charisma besaßen. Ihre Territorien, in denen sie mit verschiedenen Feuersteinen sowie mit als Rötel verwendetem Hämatit handelten, erstreckten sich von den Karpaten im Westen bis in die russische Steppe im Osten. Noch unglaublicher scheint ihr Äußeres gewesen zu sein. Anatomische Zeugnisse weisen darauf hin, dass sie von auffälliger Statur waren: hoch gewachsen, mit extrem lang gezogenen Köpfen, hohen Wangenknochen, langen Gesichtern, markanten Unterkiefern und ausgeprägten Augenbrauenwulsten. Manche sehen in ihnen Mischwesen zwischen Neandertalern und Menschen. Wer waren diese Leute?

Aufstieg der Swiderien-Menschen

Die Antwort lautet: die Swiderien-Menschen. Deren Bergbauanlagen in der polnischen Woiwodschaft Świętokrzyskie (Heiligkreuz) gehören zu den weltweit ältesten Zeugnissen organisierter Bergbauaktivitäten. Diese fortschrittliche Gesellschaft, die zur Zeit des Kometeneinschlags von 10 900 v. Chr. in Mittel- und Osteuropa lebte, legte den Grundstein für zahlreiche bedeutende spätere mittelsteinzeitliche Kulturen, die im Norden nach Norwegen, Finnland und Schweden reichten, im Süden bis in die Kaukasischen Berge und im Osten bis zur oberen Wolga in Zentralrussland.

Ihre sehr fortschrittliche Kultur – unter anderem hatten sie ausgeklügeltes Steinwerkzeug – ging auf ihre Ahnen, die östlichen Gravettien-Völker, zurück, deren Kultur zwischen 30 000 und 19 000 v. Chr. in der heutigen Tschechischen Republik und weiter im Osten auf der Osteuropäischen Ebene blühte.

Meines Erachtens machten sich um 10 000 v. Chr. Swiderien-Gruppen von der Osteuropäischen Ebene auf den Weg gen Süden ins östliche Anatolien. Dort gewannen sie die Kontrolle über den regionalen Handel mit dem schwarzen vulkanischen Glas, bekannt als »Obsidian«, etwa im Bingöl-Gebirge im armenischen Hochland und am Nemrut Dağ, einem erloschenen Vulkan in der Nähe des Van-Sees, des größten Binnensees der Türkei. Dadurch kamen sie in Kontakt mit den Gemeinden, die später – um 9500 bis 9000 v. Chr. – für den Bau von Göbekli Tepe verantwortlich waren.

Ritualer Zweck

Alles weist darauf hin, dass die Swiderien-Menschen im Besitz einer fortschrittlichen Kosmologie waren, die sie zum Teil ihren Vettern, den Solutréen-Völkern Mittel- und Westeuropas, verdankten, die wiederum mit den Gravettien-Menschen verwandt waren. Sie glaubten an einen Weltenbaum, der die Himmelswelt trug, in die man über den Großen Graben – die von Sternenstaub und Trümmern verursachte Gabelung bzw. den Spalt in der Milchstraße – gelangte, entsprechend der Position am Nordsternhimmel, wo die Sterne des Sternbilds Cygnus, des himmlischen Schwans (auch »Nördliches Kreuz« genannt), beheimatet sind. Die Swiderien-Menschen glaubten auch, dass Vögel den Sternenflug symbolisierten und dass die Schamanen so ins Himmelreich gelangten. Der in Europa am häufigsten mit diesem Glauben assoziierte Vogel war der Schwan, in Südwestasien war es der Geier, in der frühen Steinzeit Sinnbild des Todes und der Transformation. Beide Vögel werden in der Cygnus-Konstellation identifiziert.

In dieser Gestalt konnten die Schamanen also in die Himmelswelt gelangen und der übernatürlichen Kreatur entgegentreten, die für Katastrophen wie den Kometeneinschlag von 10 000 v. Chr. – der heute von der Wissenschaft als »YDB-Impakt« (Younger Dryas Boundary Impact) bezeichnet wird, der die Jüngere Dryaszeit auslöste – verantwortlich gemacht wurde. Dieser kosmische Trickster (Gauner) nahm die Gestalt eines Himmelsfuchses oder -wolfes an, der an den Innenseiten der Säulen von Göbekli Tepe immer wieder als springender Fuchs dargestellt ist und der als Fenriswolf auch für Ragnarök, eine große Katastrophe in der nordischen Mythologie, verantwortlich gemacht wird. In ganz Europa bis nach Südwestasien hinein existieren Geschichten von übernatürlichen Füchsen und Wölfen, die die Himmelssäule, die das Himmelszelt trägt, zu attackieren versuchten – wäre es ihnen geglückt, hätte dies das Ende der Welt bedeutet.

Irgendjemand erkannte wohl, dass nur durch die Beschwichtigung der Menschen, die die immense Macht des kosmischen Tricksters fürchteten, die Stabilität der Welt wiederhergestellt werden konnte. Und wenn immer diese übernatürliche Kreatur in Gestalt eines Kometen – in Form eines sichtbaren Himmelsfuchses oder -wolfs – am Himmel erschien, war es die Aufgabe der Schamanen, in die Himmelswelt einzutreten und sich der unheilvollen Kraft zu stellen. Diese Motivation sehe ich auch hinter der Errichtung des Göbekli Tepe.

Mutterschoßkammern

Doch es gab offensichtlich andere Gründe für den Bau von Göbekli Tepe. Seine Steinkreisanlagen dienten sehr wahrscheinlich als »Schoßkammern«, in denen die Schamanen in einen Urzustand kamen, ähnlich dem Zustand vor der Geburt, sobald sie zwischen den beiden zentralen Säulen hindurchgetreten waren. Diese riesigen Monolithen, die teilweise fünfeinhalb Meter hoch und bis zu 15 Tonnen schwer waren, dienten als Tor in unsichtbare Reiche – sie waren »Star Gates« im wahrsten Sinn des Wortes. Und ihr Ziel: Deneb, der hellste Stern des Sternbilds Cygnus, der den Anfang des Großen Grabens der Milchstraße markiert – diese Rolle spielte Deneb bereits 16 000 bis 14 000 v. Chr. Damals galt Deneb als Polarstern (der Stern, der in der jeweiligen Epoche dem Himmelspol am nächsten war). Als er diese Rolle um 14 000 v. Chr. aufgrund der Präzession – des langsamen Eierns der Erdachse während eines Kegelumlaufs, das sind durchschnittlich 26 000 Jahre – eingebüßt hatte, übernahm sie ein weiterer Cygnus-Stern, Delta Cygni, der sie bis ca. 13 000 v. Chr. innehatte.

Danach fungierte Wega im Sternbild Lyra (die himmlische Leier) als Polarstern. Als Wega um 11 000 v. Chr. aus dem himmlischen Pol heraustrat, sollte für mehrere Tausend Jahre kein anderer heller Stern diese Rolle übernehmen. Das bedeutete, dass es zur Bauzeit von Göbekli Tepe, etwa 9500–9000 v. Chr., keinen Polarstern gab. Aus diesem Grund behielten Deneb und der Große Graben der Milchstraße ihre Bedeutung als wichtigster Einlassort in die Himmelswelt und wichtigstes Ziel der Schamanen. Aufrecht aufgestellte Steine in zwei bedeutenden Göbekli-Tepe-Anlagen hatten in den nordnordwestlichen Abschnitten der Mauern große Öffnungen, durch die jede Nacht Deneb zu sehen war. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, wie wichtig dieser Stern den Göbekli-Erbauern war, der den Schamanen den genauen Weg in die Himmelswelt wies.

Kosmisches Know-how

Wo immer man in Göbekli Tepe hinschaut, erkennt man, dass die Erbauer ein Gespür für die Verbindung mit dem Kosmos hatten. Es gibt zahlreiche beeindruckende Hinweise darauf, dass diese 11 000 Jahre alten Tempel den Einfluss der Himmelsmächte widerspiegeln – von den seltsamen Glyphen und Ideogrammen an den Steinen, darunter Symbolen, die den Buchstaben C und H ähneln, bis zu den in Zwölfereinheiten eingeteilten Steinen in jeder Anlage. Die H-Glyphen beziehen sich wohl auf die Reise des Schamanen von dieser Welt ins Jenseits, während die C-Glyphen sehr wahrscheinlich schmale Mondsicheln sind, die den Übergang von einem Mondzyklus in den nächsten symbolisieren. Selbst das Design der Anlagen scheint kosmische Bedeutung zu haben. Alle Konstruktionen sind ovoid und haben ein Längen-Breiten-Verhältnis von fünf zu vier. Diese Zahlen lassen darauf schließen, dass die Erbauer profunde Kenntnisse über die kosmischen Zyklen hatten – bislang dachte man, sie seien erst in der Zeit Platons verstanden worden.

Wenn Swiderien-Gruppen die schamanische Elite waren, die für Göbekli Tepe verantwortlich zeichnete, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das kosmische Know-how, das in der Konstruktion verschlüsselt ist, zumindest teilweise von hochentwickelten Individuen stammte, die von Natur aus Neandertaler-Homo-sapiens-Mischwesen mit auffälliger äußerer Erscheinung waren. Diese Leute waren sehr wahrscheinlich das Produkt der Interaktionen zwischen Neandertalern und anatomisch modernen Menschen am Anfang des jungpaläolithischen Zeitalters, etwa 40 000 bis 30 000 v. Chr. Dies ist eine sehr spannende Erkenntnis, die uns sagt, dass wir das dynamische Potenzial der Kreuzung in den prägenden Jahren der Menschheitsgeschichte wohl unterschätzt haben.

Endgültige Aufgabe des Ortes

Im Laufe von etwa 1500 Jahren wurden innerhalb des nach und nach wachsenden Hügels Göbekli Tepe mindestens 20 große Anlagen errichtet. Alte Anlagen wurden regelmäßig stillgelegt, entweiht und zugeschüttet, sozusagen am Ende ihrer Gebrauchsdauer »getötet«. Neue Strukturen ersetzten sie, doch im Lauf der Zeit wurden sie immer kleiner, bis die zellenähnlichen Bauten schließlich nur noch so groß wie ein Familien-Whirlpool und die Säulen nur noch eineinhalb Meter hoch waren. Irgendwie hatte die Welt sich verändert, und der Drang, riesige Steintempel mit gewaltigen Zwillingsmonolithen im Zentrum zu errichten, war Vergangenheit.

Irgendwann um 8000 v. Chr. wurden die übrig gebliebenen Anlagen mit herangeschaffter Erde, Splitt und Abfällen zugeschüttet, und die Stätte wurde den Elementen überlassen. Es blieb nur ein gewaltiger, bauchiger Hügel, der zum perfekten Zeugnis der Tatsache wurde, dass die Steinkreise ursprünglich nicht nur als Sternentore in eine andere Welt, sondern auch als Mutterschoß-ähnliche Kammern galten, wo die Seelen der Schamanen – oder die Geister der Toten – im wahrsten Sinn zur Quelle der Schöpfung reisen konnten, die irgendwo im Bereich des Sternbilds Cygnus zu finden war. An diese Vorstellung erinnert auch dunkel der Name »Göbekli Tepe«, türkisch für »bauchiger Hügel« oder »Nabelhügel«.

Schlangenköpfige Menschen

Auch nachdem der Göbekli Tepe verlassen worden war, bestand die Erinnerung daran und an die herrschende Elite hinter seiner Errichtung unter den Halaf- und Obed-Völkern weiter, die in der zweiten Hälfte der Jungsteinzeit, etwa 6000 bis 4100 v. Chr., lebten. Wie ihre Vorfahren kontrollierten sie den überaus wichtigen Obsidianhandel, beispielsweise in den Bingöl-Bergen und am Nemrut Dağ in der Nähe des Van-Sees. Ihre Anführer, die wohl aus besonderen Familiengruppen stammten, deformierten absichtlich ihre schon von Natur aus lang gezogenen Köpfe, um damit ihren gesellschaftlichen Status anzuzeigen, wohl aber auch, um das vermeintliche Aussehen großer Ahnen nachzuahmen, die anscheinend extrem lange Köpfe und Gesichter hatten. Die Vermutung liegt nahe, dass die schlangen- oder reptilienköpfigen Tonfiguren, die man in mehreren Obed-Gräbern fand, jene großen Vorfahren repräsentierten.

Der Aufstieg der Anunnaki

Die Oberschichten der Halaf und Obed waren vermutlich die Vorgänger der Gottkönige, die die ersten Stadtstaaten auf der mesopotamischen Ebene regierten, aus denen sich die ersten Zivilisationen von Sumer, Akkad, Assyrien und Babylon entwickelten. Ihre Schreiber erzählten in Keilschrifttexten von der mythischen Geschichte ihrer Dynastien, in der die Gründer der neolithischen Revolution »Anunnaki«, Götter des Himmels und der Erde, genannt werden. Ihre Geburtsstätte soll Duku gewesen sein, ein urzeitlicher Hügel auf dem Gipfel eines Weltenbergs namens »Kharsag« oder »Hursag«, der heute sowohl mit dem Göbekli Tepe als auch mit dem Bingöl-Berg gleichgesetzt wird. Dort sollen die Anunnaki der Menschheit erstmals Schafe und Getreide übergeben haben. Dies kennzeichnet mit großer Wahrscheinlichkeit den Anfang der Viehzucht und des Ackerbaus in der Zeit der neolithischen Revolution, die um 9000 bis 8000 v. Chr. in der Region um Göbekli Tepe stattfand. Zuweilen werden die Anunnaki mit Schlangen assoziiert, was sich im schlangenähnlichen Aussehen von Göbekli Tepes herrschender Elite sowie im Erscheinungsbild der späteren Halaf- und Obed-Kulturen widerspiegelt.

Das Aufkommen der Wächter

Kommen wir nun zum Einfluss, den Göbekli Tepe auf die frühesten semitischen Völker im Norden Mesopotamiens hatte. Deren mündliche Überlieferungen sollten eines Tages von den ersten Israeliten ins Land Kanaan getragen werden und fanden Einlass in religiöse Werke wie das Buch Henoch und das Buch der Riesen. In den sogenannten Henochischen Texten werden die wichtigsten Triebkräfte hinter der Errichtung von Göbekli Tepe und der nachfolgenden neolithischen Revolution als menschliche Engel geschildert, die »Wächter« genannt wurden und sehr groß waren, Mäntel aus Federn trugen und Gesichter wie Nattern (das heißt besonders lange Gesichter) hatten. Manchmal werden sie sogar als Schlangen beschrieben (tatsächlich wird ein Wächter als die Schlange benannt, die Eva im Garten Eden verführte). 200 Wächter sollen zu den Menschen herabgestiegen und sterbliche Ehefrauen genommen haben, die riesige Nachkommen gebaren, die wiederum »Nephilim« genannt wurden.

Laut dem Buch Henoch vertrauten die menschlichen Engel ihren Frauen die geheimen Künste des Himmels an, von denen viele den Neuerungen entsprachen, die im Zuge der neolithischen Revolution in Südwestasien erstmals aufkamen. Sind die Wächter eine Erinnerung an das Erscheinen von Swiderien-Gruppen im Südosten Anatoliens, deren auffälliges Äußeres zur anschaulichen Schilderung der Wächter in der Henochischen Literatur passt? Falls dem so ist, kann man dann annehmen, dass das seltsame Aussehen sowohl der Wächter als auch der Anunnaki mit ihren schlangenähnlichen Gesichtern zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass sie Neandertaler-Homo-sapiens-Mischwesen waren? Waren sie die wahren Begründer der Zivilisation?

Die Paradiesflüsse

Eine weitere Erinnerung an diese entscheidende Epoche in der Entwicklung der Menschheit ist vermutlich in den Geschichten um Adam und Eva im Garten Eden erhalten. Laut dem BuchGenesis lag dieser Garten an der Quelle der vier Paradiesflüsse. Drei davon sind leicht zu identifizieren: Euphrat, Tigris und Aras (»Gihon« in der Bibel), die alle im östlichen Anatolien entspringen. Die Quellen von Euphrat und Aras lagen sogar in der Nähe des Bingöl-Bergs, eines der wichtigsten Obsidian-Fundorte und nur 325 Kilometer von Göbekli Tepe entfernt.

Die lokale Tradition beteuert zudem, dass auch der vierte Paradiesfluss, Pischon, im Bingöl-Gebirge entsprang, während antike Schreiber davon berichten, dass auch die wahre Quelle des Tigris in diesem Gebiet lag. In Armenien heißt es zudem, dass der Bingöl-Berg Wohnort der Götter und der Gipfel der Welt sei, von dem vier große Flüsse ausgehen, die das Wasser des Lebens an jeden Platz der Welt brächten. Alles deutet darauf hin, dass der Bingöl-Berg nicht nur »Geburtsort« der Anunnaki war, sondern auch der Paradiesberg und laut dem Buch Henoch Heimat der Wächter.

Adams Offenbarungen

Gnostische Schriften wie etwa die verschiedenen Texte, die 1945 in einer Höhle bei Nag Hammadi in Ägypten gefunden wurden, sprechen immer wieder von den sogenannten Offenbarungen des Adam, die er vor seinem Tod seinem Sohn Seth verkündete. Seth soll sie entweder in Buchform oder auf Tafeln oder Stelen aufgeschrieben haben. Die Texte wurden in oder auf einem heiligen Berg in der Nähe des irdischen Paradieses versteckt und überstanden so möglicherweise eine spätere Katastrophe mit Feuersbrünsten und Überschwemmungen (sehr wahrscheinlich der Kometeneinschlag in der Jüngeren Dryaszeit). Der Berg, manchmal »Charaxio«, manchmal auch »Seir« genannt, wird in frühchristlichen Überlieferungen mit dem Ort in Verbindung gebracht, an dem nach der Vertreibung des ersten Paares aus dem Paradies Adams Nachkommen lebten.

Was also sind Adams Offenbarungen, und wo könnten sie heute zu finden sein? Entsprachen sie derselben Geisteshaltung, mit der Göbekli Tepe errichtet wurde, um die Katastrophobie der indigenen Bevölkerung in der Region angesichts des drohenden Kometeneinschlags zu beschwichtigen? War diese Information an die hiesigen Jäger und Sammler von Swiderien-Menschen herangetragen worden, deren lang gezogene Köpfe und lange Ahnenfolge mit ihren Ursprüngen als Neandertaler-Homo-sapiens-Mischwesen assoziiert wurden? Waren ihre Taten zu den Geschichten der menschlichen Engel namens »Wächter« im Buch Henoch und der Anunnaki-Götter der mesopotamischen Legenden mythologisiert worden?

Werden wir wieder zu Engeln

Wo genau lag Charaxio oder der Berg Seir, in oder auf dem die Bücher des Seth mit den Offenbarungen Adams auf ihre Entdeckung warten? Dies ist die Frage, der ich im zweiten Teil vonGöbekli Tepe: Die Geburt der Götter nachgehe. Sie resultiert in der Entdeckung eines verlassenen armenischen Klosters im östlichen Taurusgebirge, das den legendären Schauplatz des Garten Eden überblickt. Vor seiner Zerstörung zur Zeit des Völkermords an den Armeniern im Jahr 1915 bewahrten hier die Mönche archaische Überlieferungen bezüglich des Gartens Eden und eine heilige Reliquie von unschätzbarem religiösem Wert. Bestätigungen, dass sich die heilige Reliquie in diesem Kloster befand (das im 7. Jahrhundert ein besonderes Nicht-Angriffs-Dekret, unterschrieben vom Propheten Mohammed persönlich, erhalten hatte), weisen darauf hin, wie Adams schlussendliche Offenbarung lauten könnte: die Art und Weise, wie wir als Sterbliche ins Paradies zurückkehren und selbst wieder wie einstmals engelgleich werden. Es ist eine Geschichte der Entdeckungen, die ich Ihnen erzählen möchte.





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Spektakuläre Entdeckung: Uralte »Erden« um fremde Sonne aufgespürt

Spektakuläre Entdeckung: Uralte »Erden« um fremde Sonne aufgespürt

Andreas von Rétyi

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Astronomen der Universität Birmingham meldet aktuell die Entdeckung eines ganz besonderen Planetensystems: Um den sonnenähnlichen Stern Kepler-444 stießen sie gleich auf fünf erdähnliche Planeten. Doch damit nicht genug – der Stern ist mehr als doppelt so alt wie unsere Sonne. Ein erster und wichtiger Beleg dafür, dass sich Planeten vom »Typ Erde« als kosmische Heimatstätten des Lebens bereits sehr früh im Universum entwickeln konnten. Und das ändert vieles.

Das System Kepler-444 ist ungewöhnlich alt. Es wurde vor rund 11,2 Milliarden Jahren in einer interstellaren Urwolke unserer Galaxis geboren, vielleicht sogar noch früher. Nach althergebrachter Ansicht aber gab es zu jener Zeit noch nicht genügend schwere Elemente, die vor allem für die Entwicklung felsiger, erdartiger Planeten eine wichtige Zutat sind.

Während der Anfänge des Universums, das zumindest nach etablierter Vorstellung aus einem gigantischen »Urknall« hervorging, bestand die Materie vorwiegend aus Wasserstoff und Helium.

Alles, was schwerer ist – und in der Astronomie als »Metalle« angesprochen wird – musste erst im Inneren massereicher Sterne synthetisiert und per Supernova-Explosion in den Galaxien verstreut werden, um die primordiale Mixtur anzureichern.

Unsere Sonne ist nach allgemeiner Auffassung noch keine fünf Milliarden Jahre alt und stammt somit aus einer Zeit, in der die galaktischen Urwolken bereits ausreichend schwere Elemente enthielten, also »staubig« genug waren, um die Planetenentstehung zu begünstigen. Doch bei alten Sternen, die sich durch eine nur geringe »Metallizität« im Spektrum verraten, vermutete man kaum Planeten.

Aktuellere Beobachtungen belehren die Forscher eines Besseren. Offenbar gab es schon sehr früh in der Galaxis das nötige Rohmaterial für die »Produktion« terrestrischer Planeten. Eine internationale Gruppe von Fachleuten unter Leitung von Forschern der Universität Birmingham hat nun das bislang älteste bekannte Sonnensystem mit erdgroßen Planeten aufgespürt.

Insgesamt sogar fünf solcher Welten konnten sie um den rund 117 Lichtjahre entfernten, sonnenähnlichen Stern Kepler-444 im Sternbild Leier identifizieren. Was allein bereits in relativgroßer Sonnennähe an Planeten gefunden wurde, lässt klar darauf schließen, dass solche Systeme keine Seltenheit sind.

Die fünf neu entdeckten Planeten dürften allesamt sogar etwas kleiner als unsere Erde und im Größenbereich zwischen Merkur und Venus angesiedelt sein. So spiegelt dieser fremde Planetenreigen zu einem gewissen Grad unser inneres Sonnensystem wider. Demgegenüber beinhaltet das System um Kepler-444 allerdings einen Planeten mehr.

Außerdem liegen diese Welten allesamt wesentlich näher an ihrem Heimatstern und benötigen weniger als zehn Tage für einen vollständigen Umlauf um ihn. Selbst die siderische Umlaufzeit des sonnennächsten Planeten Merkur ist mit 88 Tagen deutlich länger.

Entscheidend aber ist und bleibt das hohe Alter von Kepler-444, eines Sterns in der alten Population der »dicken galaktischen Scheibe«. Dieses System ist über doppelt so alt wie das unsrige. Noch vor Kurzem hätte niemand dort Planeten erwartet, schon gar nicht terrestrische Planeten.

Doch in den vergangenen Jahren hat sich das Bild deutlich gewandelt. Bereits im Jahr 2010 stießen Astronomen auf ein Planetensystem um den metallarmen Stern HIP 13044 – eine etwa neun Milliarden Jahre alte Sonne in rund 2300 Lichtjahren Distanz. Ein anderer bedeutender Fund war der 375 Lichtjahre entfernte HIP 11952 im Sternbild Walfisch. Dieser Stern ist sogar 12,8 Milliarden Jahre alt, und trotzdem: Auch er wird von Planeten umkreist. Soweit bekannt, handelt es sich umzwei Riesenplaneten.

Und jetzt schließlich folgt die faszinierende Meldung einer ganzen Reihe terrestrischer Welten um eine ebenfalls beeindruckend alte Sonne. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurde der bislang älteste bekannte Stern entdeckt, SM0313. Diese nur rund 6000 Lichtjahre entfernte Sonne bringt es auf 13,6 Milliarden Jahre, ein stellarer Methusalem.

Mittels der Asteroseismologie zeichneten die Planetenentdecker natürliche Schwingungen von Kepler-444 auf, die zu minimalen, Helligkeitsschwankungen führen. Aus solchen Variationen lassen sich Durchmesser, Masse und auch Alter eines Sternes herauslesen, so erläutert Saskia Hekker, Leiterin einer besonderen Forschungsabteilung am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Die Wissenschaftler dort haben sich auf das Alter von Sternen sowie die galaktische Evolution spezialisiert und wesentlich zur aktuellen Studie beigetragen.

Das Datenmaterial stammt vom Kepler-Weltraumteleskop, das jenes uralte System über einen Zeitraum von vier Jahren immer wieder anpeilte. Gestartet im Jahr 2009, beobachtete das Satelliten-Teleskop beinahe 200 000 Sterne innerhalb eines Himmelsareals zwischen den Sternbildern Leier und Schwan.

Die Instrumente waren auf charakteristische Helligkeitsveränderungen »dressiert«, winzige Abschwächungen des Lichts, diesmal ausgelöst durch Planetentransite vor den hellen Sternscheiben. Und sie wurden fündig. Die Hauptmission brachte rund 3000 Planetenkandidaten zutage, die Zahl der »Super-Erden« geht dabei mittlerweile bereits in die Hunderte. Die modifizierte K2-Mission setzt die erfolgreiche Planetensuche nun fort.

Was jetzt den neuen Fund um Kepler-444 angeht, dürfte seine Bedeutung kaum zu überschätzen sein. Dass die Planeten erst wesentlich später als ihre Heimatsonne entstanden sind, wird als sehr unwahrscheinlich eingestuft. Und Studienleiter Tiago Campante betont: »Die neue Entdeckung hat weitreichende Folgen für unser heutiges Bild des Universums«, denn sogar erdartige Planeten konnten sich fast zu jeder Ära bilden, selbst vor sehr langer Zeit.

Und Hekker ergänzt: »Wir halten es deshalb für denkbar, dass auch in den frühen Phasen des Universums lebensfreundliche Welten existiert haben könnten.« Alles in allem wächst damit auch die Wahrscheinlichkeit für sehr alte Zivilisationen der Galaxis, während wir wohl eher als kosmische Neulinge gelten dürften.



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West-Java: Älteste Pyramide der Welt entdeckt?

West-Java: Älteste Pyramide der Welt entdeckt?

Redaktion

Schon seit vielen Jahren ist Gunung Padang in West-Java als größte indonesische Megalithstätte bekannt. Der Geologe Danny Hilman Natawidjaja glaubt sogar, hier Überreste der ältesten Pyramide der Welt gefunden zu haben. Jetzt bekräftigt er seine These, während wiederholt Skeptiker auf den Plan treten und sowohl seine Theorie als auch seine Grabungsaktivitäten kritisieren.

Dr. Danny Hilman Natawidjaja ist davon überzeugt: Ein ungewöhnlicher Hügel in der exotischen Landschaft von West-Java birgt die Relikte einer uralten Pyramide, erbaut in einer Epoche, die mindestens 9000 Jahre zurückliegt, vielleicht sogar über 20 000 Jahre, so vermutet der Forscher. Demnach wären die an diesem Ort entdeckten regelmäßigen Terrassen keinesfalls natürlich entstanden. Was hier zwischen Vulkanstümpfen, Teeplantagen und Bananenblättern aufragt, seien vielmehr Hinterlassenschaften einer einstigen Hochkultur. Fakt ist, dass diese Region viele megalithische Monumente zu bieten hat. Sie gilt als die größte derartige Anlage in Indonesien.

Holländische Kolonisten waren die ersten Europäer, die in neuerer Zeit wieder auf diese archäologische Schatztruhe aufmerksam wurden. Das war vor nunmehr ziemlich genau einem Jahrhundert, im Jahr 1914. Zumindest erwähnte damals die niederländische Antikenabteilung die Stätte in ihren Berichten. Ab dem Ende der 1970er-Jahre fanden dann umfangreichere archäologische Arbeiten in Gunung Padang statt.
Die Monumente liegen beim Dorf Karyamukti, rund 120 Kilometer südlich von Jakarta und 50 Kilometer südwestlich der Stadt Cianjur, unweit des Gede-Pangrango-Vulkans. Rund 900 Meter über dem Meer erheben sich am Gunung Padang mehrere Terrassen über 95 Meter Höhe, die von Steinwällen eingesäumt sind. Überall liegen lange, rechtwinklig begrenzte Blöcke aus dunklem Vulkangestein – Pfeiler aus Andesit, einem Vulkanit mittleren Siliziumdioxidgehalts.

Den Einheimischen gilt diese Stätte als heiliger Ort, an dem einst der halbmythische König Siliwangi in nur einer Nacht einen Palast habe errichten wollen. Zwar lebte in der Zeit um 1500 n. Chr. tatsächlich ein König namens Sri Badugua Maharaja, der weithin als »Siliwangi« bekannt war, doch gehen Legenden um ihn oder aber um einen gleichnamigen Vorgänger bis auf die mythische Ära sundanesischer Götter zurück. Der Herrscher sei auch in der Lage gewesen, sich in den heiligen Tiger zu verwandeln. Es wird zudem überliefert, Siliwangi sei verschwunden, um zu einem Geist zu werden.

Gunung Padang ist in vieler Hinsicht faszinierend und archäologisch von hoher Bedeutung, gar keine Frage. Dr. Hilman Natawidjaja, führender Wissenschaftler am Indonesischen Zentrum für geotechnische Forschung, hebt die Außergewöhnlichkeit dieses Ortes allerdings noch deutlicher hervor. Seine Theorien gehen weiter als diejenigen der meisten Archäologen, ist er doch überzeugt, hier auf die älteste Pyramide der Welt gestoßen zu sein, errichtet für rituelle Zwecke, für die Beobachtung des Sternenhimmels. Auch andere Fachleute finden dort Anzeichen für geomantische und astromantische Bezüge, doch könnte das Bauwerk auch anderen Zwecken gedient haben.

Archäologen gehen anhand der Form der Megalithen davon aus, die Anlage müsse zwischen 2500 und 1500 v. Chr. errichtet worden sein, auch wenn Untergrundstrukturen wesentlich älter geschätzt wurden: in drei Meter Tiefe auf 6500 Jahre, in vier Meter Tiefe dann sogar auf beinahe das Doppelte mit rund 12 500 Jahren. Wie Geologe Dr. Hilman meint, könnten die Monumente noch merklich älter sein. Das wäre dann in der Tat eine archäologische Sensation.

Sollte sich die Theorie insgesamt bestätigen, auch zur Natur des Hügels, dürfte jene Terrassenstruktur von Gunung Padang als die älteste bekannte Pyramide der Welt bezeichnet werden. Jedenfalls ist Dr. Natawidjaja sicher: Die Beweise für die komplexe Organisation des Bauwerks liegen unter der Erde verborgen. Verschiedene Messungen, unter anderem mit bodendurchdringendem Radar, liefern bereits Hinweise auf einen Hohlraum von rund zehn Meter Kantenlänge. Auch scheint es dort Türen und Gänge zu geben.

»Die Leute denken, das prähistorische Zeitalter sei primitiv gewesen«, so kommentiert der Geologe. Aber, so fügt er hinzu, »dieses Monument widerlegt das«. Eine solche Pyramide wäre der Beweis einer weit entwickelten uralten Zivilisation in Java. Der in Stufen angelegte Bau sei das Werk von Menschenhand, sei vor langer Zeit wohl von vielen Generationen und über Jahrhunderte hinweg errichtet worden. Von Menschen geschaffene Strukturen habe man gegenwärtig bis in eine Tiefe von rund 15 Metern nachweisen können. Nun gehe es darum, die Authentizität der gesamten Stätte nachzuweisen und natürlich auch mehr über die Ursprungszeit in Erfahrung zu bringen.

Natürlich ist das mit dem Alter immer so eine Sache. Per Radiokarbon-Datierung lässt sich Gestein selbst ohnehin nicht datieren, da beißt der Forscher gleichsam auf Granit, denn die Methode ermöglicht lediglich eine Überprüfung von biogenem Material. Natürlich finden sich unter anderem auch zwischen dem ägyptischen Pyramidengestein alte organische Reste, beispielsweise Holzkohle von der Mörtelherstellung.

Mit diesen Proben ermittelte seinerzeit der lange Jahre in Gizeh forschende Archäologe und Hawass-Protegé Mark Lehner ein um etliche Jahrhunderte höheres Alter der riesigen Monumente. Je weiter man aber in der Zeit zurückgeht, desto unzuverlässiger wird das Verfahren. Überhaupt gibt es dabei so manche Faktoren, die das Ergebnis stark verfälschen können. Archäologen bemühen sich daher, aus dem historischen Umfeld, aus bestimmten Merkmalen von Fundstücken, der Art der Bearbeitung von Gestein oder aus dessen Erhaltungszustand sowie anderem mehr auf das Alter zu schließen. Manchmal helfen auch astronomische Alignments der Megalithblöcke weiter, aber was ist schon wirklich sicher?

Am Gizeh-Plateau bei Kairo, existieren allerdings mittlerweile viele Hinweise darauf, dass diese Monumente einschließlich der rätselhaften Sphinx wesentlich älter sind als von der etablierten Ägyptologie angenommen. Wenn auch die Überbauten möglicherweise tatsächlich auf die vierte Dynastie datieren, tief im Inneren der Pyramiden wie auch andernorts auf dem Plateau und an der Sphinx finden sich bemerkenswerte Spuren sowie Indizien für ein erheblich höheres Alter. Auch geologische und klimatologische Erkenntnisse spielen dabei eine Rolle. Doch einst konterte Ägyptens langjähriger Chef-Archäologe Zahi Hawass angesichts solcher Aussagen, die Geologen sollten dann auch eine entsprechend alte Kultur vor Ort nachweisen.

Wo die nur geblieben sei, das hätte er gerne gewusst. Nun, diese Frage lag gewiss kaum mehr im ureigensten Aufgabenbereich der Geologen, die lediglich aus ihrer Sicht auf Erosionsmuster und andere geologisch feststellbare Unstimmigkeiten der Chronologie hinwiesen. Hier sollten eigentlich doch eher wieder die Archäologen gefordert sein.

Was nun Gunung Padang betrifft, wird es mit der Angabe eines präzisen Alters auch nicht gerade leicht. Das aber hat ganz eigene Gründe. Die Datierung eines alten Bindemittels, das zwischen einigen Felsblöcken gefunden wurde, ergab laut Radiokarbon-Methode ein Alter zwischen rund13 000 und 23 000 Jahren. Das gefundene Zement-Material weist eine interessante Zusammensetzung auf: Zu 45 Prozent enthält es Eisenminerale, zu 41 Prozent Silikatminerale. Den Rest machen Tone und ein Kohlenstoffbestandteil aus.

Ein gutes Rezept, um Steine wirksam zu verbinden, so sagt auch Danny H. Natawidjaja. Bemerkenswert ist gerade der hohe Silikatanteil. Er belegt, dass dieser Zement nicht einfach ein Zufallsergebnis aus der Verwitterung der Andesit-Säulen ist, die einen wesentlich geringeren Anteil aufweisen. Auch der Eisengehalt im »Gunung Padang-Zement« erweist sich als unnatürlich hoch. Diese Tatsache spricht sowohl für eine gezielte Herstellung durch Menschenhand als auch darüber hinaus für metallurgische Kenntnisse.

Dieser Eindruck wird ebenfalls durch den Fund eines rund 25 Zentimeter großen, rostigen Metallklumpens am Osthang der Padang-Erhebung verstärkt. Was die Altersfrage betraf, war vor allem der Kohlenstoff von Interesse. Die Proben wurden von einem renommierten Labor im US-amerikanischen Miami analysiert, wobei die erstaunlich hohen Werte ans Licht kamen.

Kernbohrungen ergaben ihrerseits einen mehrschichtigen Aufbau der gesamten Struktur. Vergleiche mit den Bodenablagerungen ließen auf mehrere Bauabschnitte in der Zeit vor etwa 22 000 bis 20 000 vor unserer Zeit sowie 14 700, 9600, 4700 und letztlich dann 2800 vor unserer Zeit schließen. Diese jüngste Epoche führt dann erst zu den heute noch sichtbaren Megalithstrukturen und zum vielfach angenommenen geringeren Alter der Anlage. Übrigens wurden auch etliche Ausrichtungen auf helle Sterne und Konstellationen gefunden: auf den Polarstern, auf Dubhe im Großen Bären, Wega in der Leier und Deneb im Schwan. Vermutungen gehen sogar dahin, die prähistorischen Sternkundigen hätten eine heute als Cygnus Rift bekannte, auffällige Dunkelwolke unserer Milchstraße ebenfalls durch Megalithenanordnung ins Visier genommen.

Jenes manchmal auch als »nördlicher Kohlensack« bezeichnete Gebilde beginnt im Sternbild Schwan und erstreckt sich in südliche Richtung bis hin zum Milchstraßenzentrum, um die direkte Sicht dorthin zu blockieren. Natürlich lassen sich die prähistorischen stellaren Zusammenhänge nurerahnen, gerade, wo vieles noch im Verborgenen liegt und die Bauzeit so extrem lang war. Doch scheint es mittlerweile gute Gründe zu geben, ein sehr hohes Alter und einen künstlichen Ursprung des Hügels von Gunung Padang anzunehmen.

Natawidjaja ist sich mittlerweile sicher, hier die Beweise für eine uralte und weit entwickelte Zivilisation entdeckt zu haben. Doch genau damit haben einige Archäologen immer wieder ihre Probleme. Man habe in einer nahegelegenen Höhle sehr primitive Knochen-Werkzeuge gefunden, die aus der Zeit vor etwa 9500 Jahren stammten. Die alte Kultur könne demnach nicht so weit entwickelt gewesen sein, so lautet die unmittelbare Schlussfolgerung. Einheimische Altertumskundler zeigen sich insgesamt wenig erfreut über die Ausgrabungen Dr. Hilmans. 34 indonesische Archäologen haben sein Projekt im Rahmen einer Petition bereits im Jahr 2013 kritisiert, sowohl hinsichtlich der Methodik als auch der Motivation.

Der Erhalt jener Stätte sei dadurch in Gefahr. Sie äußern auch ihre Verärgerung über die mögliche Beteiligung ziviler Forscher an der weiteren Untersuchung. Und der Vulkanologe Sutikno Bronto lehnt die Pyramidentheorie komplett ab. Der Hügel sei nichts als der Stumpf eines alten Vulkans, die Steine seien ein natürliches Verwitterungsprodukt und keineswegs von Menschen einer frühen Epoche bearbeitet worden. Gunung Padang, wieder so ein Fall von »Was nicht sein darf, kann nicht sein«? Abwarten und Java-Tee trinken wird da alleine kaum weiterhelfen.










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Dunkle Flecken auf der weißen Weste der Ägyptologie

Dunkle Flecken auf der weißen Weste der Ägyptologie

Redaktion

Glaubt man der etablierten Wissenschaft, dann sind die letzten Rätsel der Cheops-Pyramide längst gelöst. Nach herrschender Lehrmeinung ließ Pharao Cheops das Monument als Grabstätte errichten. Beim Bau – so die Überzeugung der Ägyptologen – wurden bronzezeitliche Werkzeuge verwendet. Die bis zu 70 Tonnen schweren Steinblöcke, aus denen die Pyramide besteht, sollen mittels Rampen transportiert worden sein.

Viele, die sich eingehender mit dem Pyramidenbau beschäftigen, haben große Zweifel an dieser Theorie. Ein sensationeller Fund der Privatforscher Dominique Görlitz und Stefan Erdmann wirft sie jetzt gänzlich über den Haufen. Die beiden Experten entdeckten in der Königskammer der Cheops-Pyramide Metall: Sie konnten nachweisen, dass beim Bau des Monuments Eisenwerkzeuge zur Anwendung kamen. In diesem Buch, das packend wie ein Roman ist, schildern Görlitz und Erdmann die Geschichte ihrer Entdeckung; sie belegen in der Theorie und mit einem erfolgreichen Steinhebeversuch, dass die gängige Lehrmeinung zum Pyramidenbau nicht länger haltbar ist. Die Forscher erläutern zudem, wie das Weltwunder von Gizeh tatsächlich gebaut wurde!

Seit Jahren gilt das Interesse des Privatforschers und Thor-Heyerdahl-Schülers Dominique Görlitz den Pyramiden. Bei zahlreichen Untersuchungen an den Pyramiden des Mittelmeerraums hat er wertvolle Erkenntnisse gewonnen und veröffentlicht. Wie Stefan Erdmann, der bereits mehrere Bücher zu diesem und ähnlichen Themen verfasst hat, sieht Görlitz den Schüssel zum Pyramidenrätsel in den Monumenten von Gizeh.

Nachdem die beiden eine Genehmigung zu Analysen in der Cheops-Pyramide bekommen hatten, nahmen sie unter Beobachtung von ägyptischen Begleitern Untersuchungen vor. Dabei betraten sie auch die Königskammer. Dort fielen ihnen 18 schwarz glänzende Flecken an den Granitsteinen der Decke auf. Was sie neugierig machte, war die Tatsache, dass alle 18 »Zungen« etwa 130 cm x 35 cm maßen und den gleichen Abstand voneinander hatten. Die Forscher entnahmen an einem der Flecken kleinste Proben.

Es handelt sich um Metall!

Um wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu bekommen, ließen Görlitz und Erdmann die Proben von Spezialisten der Universität Leipzig und der Bergakademie Freiberg untersuchen. Geochemiker und Metallurgen nahmen sich der Proben an. Auch das Institut Fresenius in Dresden unterzog das Material verschiedenen Analysen.

Im Herbst 2014 wurde das Ergebnis der Untersuchungen veröffentlicht: Bei dem glänzenden Material handelt es sich um Magnetit: um Metall! Die Analysen ergaben des Weiteren: Das Magnetit konnte nicht an der Decke entstanden sein. Es war auch nicht Bestandteil der Steine. Die Rückstände stammten unzweifelhaft von Metall, das Menschen hergestellt hatten. Von Metall, das in heißem Zustand an die Granitblöcke angebracht worden war.

Die Entdeckung führt die gängigen Theorien des Pyramidenbaus ad absurdum

Was Görlitz und Erdmann entdeckt haben, macht deutlich: Die Lehrmeinung von einer Kultur, die die riesigen Monumente mit bronzezeitlichen Hilfsmitteln errichtete, ist nicht länger haltbar. Schonvor dem Fund waren Zweifel an der Theorie angebracht. Beispielsweise wären die Zähne von bronzezeitlichen Kupfersägen beim Schneiden des Granits abgebrochen. Und Blöcke von bis zu 60 Tonnen Gewicht hätten mit entsprechenden Werkzeugen niemals transportiert werden können. Ohne stabile Schutzvorrichtungen splittert Granit, wenn es mit anderen Blöcken zusammenstößt oder herunterfällt.

Auf Basis von Metallwerkzeugen wird der Bau nachvollziehbar

Bei der Errichtung der Cheops-Pyramide wurden tonnenschwere Granitblöcke auf eine Höhe von fast 150 Metern befördert. Nach vorherrschender Lehrmeinung haben die alten Ägypter dies mit einem Instrumentarium aus Kupfer und Holz zustande gebracht. Doch so kann es nicht gewesen sein! Legt man Metallwerkzeuge zugrunde, sieht die Sache anders aus. Görlitz und Erdmann erläutern in diesem Buch ausführlich, wie der Bau der Pyramiden tatsächlich vonstattenging. Dabei machen sie deutlich: Die gängige Theorie, nach der die Steine über Rampen transportiert wurden, entbehrt jeder Grundlage. Die Blöcke wurden auf andere Art in die Höhe bewegt. Die Autoren beschreiben die Vorgehensweise ausführlich und nachvollziehbar.

Ein praktischer Versuch bestätigt: So ließen sich die tonnenschweren Blöcke heben

Anders als die Mehrzahl der Pyramidenforscher begnügten sich Görlitz und Erdmann nicht mit einer Theorie zum Transport der Blöcke. Für sie war es selbstverständlich, diese auch mit einem Versuch zu verifizieren. Nachweisen mussten sie vor allem, dass es möglich ist, einen tonnenschweren Block nach der von ihnen beschriebenen Methode in die Höhe zu hieven.

Im April 2015 traten sie den Beweis an. Versuchsobjekt war ein Betonblock mit den Ausmaßen 6 m x 1 m x 1,2 m. Sein Gewicht: 15,3 Tonnen. War es möglich, dieses enorme Gewicht nach oben zu bewegen? Der Versuch zeigte: Es ist möglich! Die große Überraschung: Zwei Männer, die den Block nach den Anweisungen der Autoren manövrierten, hoben die 15 Tonnen in nur 1,02 Minuten um 18 Millimeter. Das Transportsystem, das nach Auffassung der Privatforscher beim Bau der Pyramiden angewendet wurde, funktioniert!

Von Cheops-Projekt zum Cheops-Skandal

Nicht nur die Schilderung der Entdeckung von Görlitz und Erdmann ist so faszinierend, dass man dieses Buch nicht aus der Hand legen kann. Das »Cheops-Projekt« der Autoren hat noch eine andere Dimension: Es artete in einen Skandal aus! Nachdem die beiden nach Deutschland zurückreisten, verbreitete sich das Gerücht, sie hätten die »Königskartusche« gestohlen – einekreisförmige Malerei an der Decke der Königskammer.

Die Angelegenheit schlug immer höhere Wellen. Dr. Zahi Hawass, der berüchtigte ehemalige Antikenminister Ägyptens, verstieg sich zu einer folgenschweren Aussage. Er behauptete: Görlitz und Erdmann seien von dem Juden und Privatforscher Robert Bauval beauftragt worden, die Kartusche zu beschädigen, um das Alter der Pyramide umzudatieren – und die Bauherrschaft den Juden zuzuschreiben. Davon war jedoch nie die Rede gewesen. Fakt ist zudem: Görlitz und Erdmann hatten die Kartusche nicht angerührt. Obwohl sie dies mit allen Mitteln zu beweisen versuchten, entwickelte sich die Angelegenheit zu einer Strafsache. Ein ägyptisches Gericht verurteilte alle, die bei der Besichtigung der Pyramide dabei gewesen waren, zu fünf Jahren Haft! Während sich Görlitz und Erdmann in Deutschland aufhielten, wurden ihre ägyptischen Begleiter verhaftet; sie sitzen im Gefängnis.

Hat der absurde Vorgang wieder einmal das Ziel, den Ruf von Privatforschern zu ruinieren? Immerhin erschüttert der Fund die Grundfesten der Ägyptologie. Sehen etablierte Wissenschaftler in der Entdeckung von Görlitz und Erdmann einmal mehr eine Bedrohung für sich und ihre Arbeit? Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Lesen Sie dieses packende Buch!




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Endlich bewiesen: Cheops war nicht der Bauherr der Großen Pyramide von Gizeh

Endlich bewiesen: Cheops war nicht der Bauherr der Großen Pyramide von Gizeh

Stefan Erdmann

Vor Kurzem ist ein hochinteressanter Artikel über die mysteriösen Fundumstände und die Original-Dokumente von Howard Vyse aus dem Britischen Museum in London von der Journalistin Katrine Eichberger bei Kopp-Online erschienen. Im Rahmen des um unsere Forschungen entstandenen Cheops-Skandals habe ich mich über ein Jahr hinweg noch einmal mit den mysteriösen Hintergründen rund um Howard Vyse und die berühmte Cheops-Kartusche beschäftigt. Die Untersuchung wurde immer mehr zu einem wahren Kriminalfall mit Happy End – aber nicht für Howard Vyse, die ägyptische Antikenverwaltung und Zahi Hawass!

Die Angst der Ägyptologen vor der Untersuchung der Kartusche …

Wie ich, gemeinsam mit meinem Forscherkollegen Dr. Dominique Görlitz, in unserem gemeinsamen Werk Das Cheops Projekt aufzeigen konnten, war die umstrittene Cheops-Kartusche in der obersten Entlastungskammer und die Unterstellung von Dr. Hawass, sie sei bei unserer Untersuchung 2003 beschädigt worden, der Auslöser für den sogenannten »Cheops-Skandal«.

Unter Entlastungskammern versteht man die fünf Kammern über der sogenannten Königskammer. Die Entlastungskammern waren für den allgemeinen Besucherverkehr in den letzten Jahrzehnten nie zugänglich, was vornehmlich mit Sicherheitsaspekten und den überaus beschwerlichen Zugangsmöglichkeiten zusammenhängt.

Mit dem Ausdruck Hieroglyphenkartusche, auch Pharaonen- oder Königskartusche, bezeichnet man die in der ägyptischen Hieroglyphenschrift benutzte ovale Seilschleife, welche den Namen des Pharaos – in diesem Fall Chufu/Cheops − gleichsam schützend umgibt. (siehe Abb. 3 und 4)

Abb. 1: Querschnitt der Entlastungskammer über der Königskammer.

Seit fast 200 Jahren streiten sich die Gelehrten, ob diese Kartusche echt ist, oder ob Howard Vyse und seine Mitarbeiter die Bemalungen selbst angebracht haben, um sich einen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern.

Für die allermeisten Ägyptologen steht unumstößlich fest, dass das Graffito authentisch ist, und dass es belege, Cheops sei der Bauherr der großen Pyramide von Gizeh gewesen. Diese Kartusche mit dem Namen des Pharaos ist als vermeintlich definitiver Beweis für die Bauherrenschaft des Cheops quasi der »Heilige Gral« der Ägyptologen.

Vorab sollte aber noch einmal betont werden, dass die Frage nach der Authentizität der Cheops-Kartusche zu Beginn des gemeinsamen Projekts von Dominique Görlitz und mir gar nicht im Zentrum unseres Interesses stand, sondern erst im Verlauf der erwähnten Affäre für uns immer mehr an Bedeutung gewann. Es wurde immerhin sehr schnell deutlich, dass wir mit unserer nicht geplanten Probenentnahme einer Bemalung in der obersten Entlastungskammer 2013 in ein Wespennest gestoßen hatten.

Allgemein ‒ und zu Unrecht ‒ wurde ja davon ausgegangen, wir hätten die Kartusche beprobt, und das nun folgende »Wutgeheul« der Ägyptologen, insbesondere in Kairo, klang viel zu schrill und hysterisch, um lediglich als Ausdruck moralischer Entrüstung gelten zu können. Vielmehr schien man dort ‒ das war zumindest unser persönlicher Eindruck ‒ geradezu Angst vor einer unabhängigen Untersuchung und der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse zu haben.

Einerseits ließen die offiziellen Stellen am Nil, darunter auch das DAI (Deutsches Archäologisches Institut in Kairo) umgehend verlautbaren, dass man unsere Untersuchungsergebnisse nicht anerkennen werde, denn u.a. seien wir ja keine Fachleute. Auf der anderen Seite gab man sich aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit größte Mühe, an die Ergebnisse unserer Untersuchung zu gelangen.

So wurde z.B. sogar die Konzernzentrale des beauftragten Labors in Genf aufgefordert, einen Bericht zu den Untersuchungsergebnissen abzugeben. Woher kommt dieses erstaunliche Interesse an den Forschungsresultaten? Haben die Antikenverwaltung und möglicherweise auch das DAI in Kairo irgendetwas zu befürchten? Unsere sensationellen Entdeckungen in der Königskammer waren die eine Seite der Medaille. Es hatte immer mehr den Anschein, dass die offiziellen Stellen in Kairo Angst vor Ergebnisse hatten, welche die berühmte Cheops-Kartusche betraf.
Dr. Dominique Görlitz und Stefan Erdmann bei ihren Untersuchungen auf dem Gizeh Plateau.
In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder gefragt, warum die Ägypter die umstrittene Bemalung nie mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht haben, die hieb- und stichfeste Ergebnisse für den Bauherren Cheops liefern. Verfechter des derzeitigen Status quo zurKönigskartusche wenden diesbezüglich gerne ein, eine Untersuchung, z.B. mit der Radiocarbon-Methode (C14-Methode), könne zu keinem Ergebnis führen, da die alten Farbpartikel aus anorganischem Eisenoxid bestehen und somit nicht chronologisch datierbar seien.

Im Grundsatz ist dieser Einwand ja nicht unberechtigt, aber tatsächlich liegt der Fall hier doch etwas anders. Immerhin besteht aus meiner nachfolgend dargelegten Sicht der dringende Verdacht, dass Howard Vyse und seine Mitstreiter die Kartuschen und Graffiti, die sie offensichtlich nach der Öffnung der Kammern vorgefunden haben »aufgefrischt«, d.h.teilweise verändert haben. Wenn dies aber so war, dann weist das Grafitto natürlich auch zwei unterschiedliche Farbtypen auf: die originale altägyptische Farbe, die nicht datierbar ist, aber auch eine neue (ca. 200 Jahre alte Farbe), die möglicherweise doch datierbar sein könnte!

Diese Möglichkeit muss auch den Ägyptologen in Kairo bewusst sein. Ist dies möglicherweise der Grund dafür, dass die Kartusche in der Amtszeit von Hawass heimlich ‒ und illegal! ‒ erprobt wurde?

Die Antikenbehörde ist hier in der Pflicht, für endgültige Aufklärung zu sorgen. Tut sie das nicht, erhärtet sich der Verdacht, dass in dieser Angelegenheit irgendetwas verschleiert werden soll. Dass zentrale Personen der Antikenverwaltung, u.a. Zahi Hawass, in diesen Skandal verwickelt sind, ist wohl mehr als anzunehmen, und angesichts der in Ägypten herrschenden Verhältnisse ist wohl auch davon auszugehen, dass eine finanziell potente »dritte Partei« in die Vorgänge verwickelt sein muss.

Meine Untersuchungen und Recherchen der Jahre 2014 und 2015 haben neue Erkenntnisse erbracht, die den Fälschungs-Verdacht sogar noch erhärten und nahelegen, dass hier tatsächlich ganz bewusst etwas verschleiert wird – insbesondere von Dr. Hawass und seinen Helfern aus höchsten staatlichen Ebenen.

Worum geht es bei dem Kartuschen-Streit wirklich?

Wie gesagt: Für die Ägyptologen ist die Präsenz des Königsnamens von Cheops (die griechische Bezeichnung des Herodot für Chufu) in einer der Entlastungskammern der unwiderlegbare Beweis, dass Cheops der Bauherr der Cheops-Pyramide war, denn diese Kammern, die Howard Vyse im Jahre 1837 gewaltsam geöffnet hat, waren zuvor für niemand zugänglich. Das heißt, dass alle darin gefundenen Bemalungen und Königsnamen – einschließlich des Namens »Cheops« – eigentlich schon beim Bau der Pyramide dort angebracht worden sein müssen.

Kritiker behaupten aber seit Jahrzehnten, dass Howard Vyse und seine Mitstreiter die Bemalungen und Königsnamen selbst angebracht haben oder zumindest entscheidende Manipulationen vorgenommen haben, um mit ihren »Entdeckungen« in die Geschichtsbücher einzugehen.

Es geht nur um eine Silbe …

Abb. 3: zeigt die Cheops (Ch-u-f-u)-Kartusche, wie man Sie heute in der 5. Entlastungskammer der Großen Pyramide vorfindet, bestehend aus vier Symbolen (Silben). Die ganz rechte Silbe in der ovalen Kartusche ist ein Kreis mit drei Strichen und bedeutet »Ch«.

Nach unserem aktuellen Forschungsstand fanden Howard Vyse und seine Mitstreiter nach ihrer gewaltsamen Öffnung der Kammern bereits Bemalungen und Kartuschen vor, die von ihnen dann teilweise verändert wurden. Eine davon ‒ und sicherlich die wichtigste ‒ ist die Cheops-Kartusche. Ursprünglich befand sich offenbar ein anderer Name an der Wand der obersten Kammer. Die Beweise dafür sind erdrückend.
Abb. 4: Möglicherweise fanden Vyse und seine Leute eine dieser beiden Kartuschen vor. Dann würde der Name aber gar nicht Ch-u-f-u (Cheops) heißen sondern Ra-u-f-u.

Was geschah tatsächlich Anfang des 19. Jahrhunderts?

Die Geschichte der sogenannten »Königs-Kartusche« begann im Jahre 1835, als Colonel Richard Howard Vyse (1784-1853) zum ersten Mal das Gizeh-Plateau erreichte. Vysesʼ Interesse und Forscherdrang waren vor allem aus dem Wunsch entstanden, eine bedeutende Entdeckung rundum die Große Pyramide zu machen.

Angestachelt wurde Vyses Ehrgeiz vermutlich auch durch die Forschungen des Italieners Giovanni Caviglia, der damals bereits seit einiger Zeit nach verborgenen Kammern in den Pyramiden suchte. Vyse war offensichtlich besessen von der Aussicht auf Prestige und Ruhm.

Schließlich kam es zum Zerwürfnis der beiden Forscher und kurz darauf zu Vyses sensationellen Entdeckungen in den Entlastungskammern, darunter besagte Bemalungen und Königs-Kartuschen, einschließlich der »Cheops-Kartusche«.
Abb. 5: Richard William Howard Vyse (1784-1853)
Durch unsere weiterführenden Untersuchungen 2014/2015 konnten wir erstmals neue Hinweise und Beweise vorlegen, die nachhaltig belegen, dass die Umstände der Entdeckungen von Howard Vyse und Jr. Hill mehr als dubios sind, und dass sich daraus letztlich kein Beweis für Cheops alsBauherren der Großen Pyramide ableiten lässt.
  • Durch die Nachforschungen der Journalistin Katrine Eichberger konnten wir Einblick in die Original-Dokumente erhalten, die Vyse und Hill im Jahre 1837 in London eingereicht haben.
Schon aus der Überprüfung dieser Unterlagen haben sich Ungereimtheiten ergeben, insbesondere im Falle der Dokumente zur Cheops-Kartusche, deren Skizze beispielsweise nicht durch Zeugen beglaubigt wurde, wie es bei allen anderen Bemalungen und Kartuschen aus den drei unteren Kammern der Fall ist. Nicht einmal Howard Vyse selbst hat das Dokument mit der Nachzeichnung der berühmten Cheops-Kartusche signiert.
  • Bei näheren Untersuchungen stellte sich auch heraus, dass es offensichtlich zu nachträglichen »Korrekturen« an der Cheops-Kartusche gekommen ist.
  • Zusätzlich konnten wir mit Hilfe der Nachforschungen von Scott Chreighton feststellen, dass sogar im persönlichen Tagebuch von Howard Vyse schwerwiegende Hinweise zu finden sind, die eine nachträgliche Fälschung nahelegen. Scott Creighton hatte das Tagebuch von Howard Vyse ausfindig gemacht und 2014 darüber einen ausführlichen Artikel geschrieben.
  • Hinzu kommt ein Dokument, in welchem der Nachfahre eines Zeitzeugen aus England, Humphries Brewer, Angaben zu den damaligen Vorgängen in Ägypten macht. Brewer ging als Ingenieur nach Kairo und hat später unter Howard Vyse gearbeitet. Dann wurde er gefeuert, weil er einen Streit mit Hill (und einem Herrn Raven) hatte. Brewer erklärte, er habe gesehen, wie verblichene Zeichen mit roter Farbe übermalt und neue hinzugefügt wurden.
Abb. 6: Hier ein Ausschnitt aus dem Tagebuch von Howard Vyse. An dieser Stelle rätselt Vyse darüber, wie die Cheops-Kartusche aussehen muss. Warum rätselt er, wenn er doch die Kartusche richtig vorgefunden hat?

Abb. 7: Hier ein Ausschnitt aus der Kartusche, die Howard Vyse in seinem Tagebuch als Fund notiert hat. In dem Siebsymbol sind nur zwei Striche sichtbar. Später hat dann Hill für ihn die Kopie der »vorgefundenen« Kartusche falsch mit drei Strichen im Britischen Museum eingereicht. Unter dieser Zeichnung notiert Vyse: »Die Kartusche in Campbells Kammer«. Quelle: Scott Chreighton.

Und die Konsequenzen?

Diese vier, hier kurz angerissenen Punkte skizzieren wesentliche Aspekte unserer intensiven Untersuchung, und werden in unserem neuen Buch detailliert vorgestellt.

Das Ergebnis dieser Untersuchung erschüttert nicht nur den Nachruhm des Howard Vyse und die überkommene Lehrmeinung, Cheops Bauherrenschaft der Großen Pyramide sei zweifelsfrei erwiesen, sondern auch die Position des Dr. Zahi Hawass und der ägyptischen Antikenverwaltung. Offenkundig hatte man auch dort schon länger vermutet, dass die Cheops-Kartusche ge- bzw.verfälscht sein könnte.

Dies ist der einzige plausible Grund, warum – offensichtlich von höchster Stelle in der Amtszeit von Zahi Hawass – einer illegalen Beprobung und Analyse der Kartusche unter Ausschluss der Fachwelt zugestimmt wurde. Warum deren Ergebnisse bis heute nicht offiziell veröffentlicht wurden, kann man sich unschwer denken.

Der Versuch der Antikenverwaltung und von Zahi Hawass, Dr. Görlitz und mir diese illegale Beprobung in die Schuhe zu schieben, wofür wir in Ägypten auch noch zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurden, war also letztlich »ein Schuss«, der »nach hinten losging«. Erst er lieferte uns den Grund für unsere Recherchen. Ansonsten wären wir niemals so umfassend den Manipulationen des Howard Vye nachgegangen ‒ und auch nicht auf jene der Verantwortlichen für die Altertümer des Gizeh-Plateaus aufmerksam geworden. Und wir hätten auch nicht, wie es uns heute möglich ist, mit Sicherheit sagen können: Die Frage, wer die Große Pyramide erbauen ließ, ist wieder völlig offen! Cheops muss keineswegs ihr Bauherr gewesen sein. Aber wenn es nicht Cheops war, wer dann? Und wie alt ist die Große Pyramide wirklich?









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